Klintebakken

Klintebakken
– mehr als eine Milliarde Jahre Geologie auf nur wenigen Schritten
Direkt südlich von NaturBornholm liegt einer der faszinierendsten geologischen Orte Bornholms. Auf der Klintebakken kannst du auf nur wenigen Schritten zwischen Gesteinen mit einem Altersunterschied von mehr als einer Milliarde Jahren wechseln, mitten in einer alten Verwerfungszone stehen und weiter hinunter zu einem versteinerten Meeresboden gelangen, der rund 530 Millionen Jahre alt ist.
Es ist ein Ort, der seine Geschichte nicht unbedingt auf den ersten Blick preisgibt. Doch wenn du weißt, worauf du achten musst, wird die Landschaft rund um die Klintebakken zu einer ungewöhnlich anschaulichen Reise durch die geologische Vergangenheit Bornholms.
Hier treffen das alte und das junge Bornholm aufeinander
Auf der Klintebakken liegt rund 1,7 Milliarden Jahre alter Gneis in direktem Kontakt mit deutlich jüngerem Sandstein. Der Nexø-Sandstein entstand vor mehr als 540 Millionen Jahren aus Ablagerungen von Flüssen, während der hellere Balka-Sandstein – geologisch ein Teil der Hardeberga-Formation – ungefähr zur gleichen Zeit im Meer entstand.
Bemerkenswert ist nicht nur der enorme Altersunterschied. Der alte Gneis liegt im Gelände auch höher als die jüngeren Sandsteinschichten – entgegen der einfachen geologischen Regel, nach der die ältesten Schichten normalerweise unten liegen. Die Erklärung dafür liegt in den gewaltigen Bewegungen, die den Untergrund Bornholms über Hunderte Millionen Jahre hinweg aufgebrochen und verschoben haben.
So ist es tatsächlich möglich, mit den Füßen auf Gesteinen zu stehen, deren Alter sich um mehr als eine Milliarde Jahre unterscheidet. GEUS beschreibt die Klintebakken als einen Ort, an dem man „über eine Milliarde Jahre hinwegschreiten“ kann.
Die Verwerfung – der Schlüssel zu Bornholms besonderer Geologie
Bornholm liegt am Rand eines sehr alten und stabilen Bereichs der Erdkruste, der große Teile Nord- und Osteuropas umfasst. Über Hunderte Millionen Jahre hinweg haben Kräfte in der Erdkruste immer wieder große Brüche und Verwerfungen in diesem Gebiet entstehen lassen und erneut aktiviert.
Die Klintebakken liegt im Zusammenhang mit diesem großen tektonischen Übergangsbereich, der zur Fennoskandischen Randzone gehört. Hier lassen sich die Folgen jener Bewegungen erkennen, die Bornholm mitgeformt haben.
Im Jahr 1999 wurde der Untergrund freigelegt, sodass der Kontakt zwischen Gneis, Nexø-Sandstein und Balka-Sandstein im Gelände sichtbar ist. In unmittelbarer Nähe der Verwerfung wurden die Sandsteinschichten zusammengedrückt und bis zu einem Winkel von etwa 50 Grad schräggestellt – ein deutliches Zeugnis der Kräfte, die die Erdkruste verschoben haben.
Geologisch gilt Bornholm als ein Horst: ein Block der Erdkruste, der gegenüber seiner Umgebung angehoben wurde. Der nördliche Teil der Insel wurde stärker angehoben als der südliche, und durch Millionen Jahre der Erosion wurden deshalb jüngere Gesteine aus großen Teilen Nordbornholms abgetragen. Das ist ein wesentlicher Teil der Erklärung für den deutlichen Unterschied zwischen dem felsigen Norden und dem flacheren Süden Bornholms.
Strøby Sandstensbrud – auf einem uralten Meeresboden gehen
Wenn du einige Hundert Meter weiter nach Süden gehst, erreichst du Strøby Sandstensbrud.
Hier ist der Balka-Sandstein mit deutlichen Wellen- und Strömungsrippeln erhalten. Die Oberfläche kann an den sandigen Boden eines heutigen Wattengebiets bei Niedrigwasser erinnern – mit dem entscheidenden Unterschied, dass diese Strukturen vor etwa 530 Millionen Jahren entstanden.
An mehreren Stellen sind außerdem kleine Spuren von Organismen zu sehen, die sich durch den weichen Meeresboden gegraben haben. Nicht die Tiere selbst sind erhalten geblieben, sondern die Spuren ihrer Aktivität. GEUS bezeichnet das Gebiet daher sehr treffend als einen versteinerten Meeresboden.
Vielleicht lässt sich gerade hier die gewaltige Dimension der Zeit am leichtesten begreifen: Die Rippelmarken, die du heute im Gestein siehst, wurden einst im Sand von echten Wellen und Strömungen geformt.
Das Gebiet steht unter Schutz, daher müssen Steine und Sandsteinflächen selbstverständlich an ihrem Platz bleiben.
Kyllingehønen und Hanen
Auf dem höher gelegenen Teil der Klintebakken liegen die beiden markanten Findlinge Kyllingehønen und Hanen.
Es handelt sich um große Findlinge, die vom Eis transportiert und zurückgelassen wurden, als es abschmolz. Beide Steine wurden bereits 1918 unter Schutz gestellt.
Kyllingehønen hat außerdem einen festen Platz in der bornholmischen Erzähltradition. Einer alten Wandersage zufolge wurde der Stein von einem Troll in Richtung Aa Kirke geworfen, flog jedoch über die Kirche hinweg und landete auf der Klintebakken, wo er auf drei kleineren „Steineiern“ liegt.
Hier treffen also Geologie und Volksglaube aufeinander – was beinahe gut zu einer Landschaft passt, in der riesige Steine über die Felsen verstreut liegen wie Spuren von Kräften, für die man früher keine naturwissenschaftliche Erklärung hatte.
Skrébânan – die alte Rutschbahn
Bei Hanen liegt die geneigte Felsfläche, die vor Ort Kalvestegen genannt wird.
Hier befindet sich eine glatte Bahn, eine sogenannte Skrébâna, auf der sich Einheimische über Generationen hinweg damit vergnügt haben, den Felsen hinunterzurutschen. Mit dieser Rutschbahn ist außerdem eine alte Vorstellung verbunden, nach der Frauen durch das Hinabrutschen die Kraft des Felsens auf ihren Körper übertragen und dadurch die Fruchtbarkeit fördern konnten.
Hier bewegen wir uns von gesichertem geologischem Wissen hinüber in Kulturgeschichte und Volksglauben – doch gerade diese Kombination macht die Klintebakken zu mehr als nur einem geologischen Fundort.
Bornholm mit neuen Augen sehen
Auf einem sehr kleinen Gebiet erzählt die Klintebakken eine außergewöhnlich große Geschichte.
Hier trifft rund 1,7 Milliarden Jahre alter Gneis auf Sandstein, der mehr als eine Milliarde Jahre jünger ist. Du kannst Spuren von Bewegungen der Erdkruste sehen, über einen 530 Millionen Jahre alten Meeresboden gehen, vom Inlandeis zurückgelassene Steine entdecken und Geschichten aus dem bornholmischen Volksglauben kennenlernen.
Es ist einer jener Orte auf Bornholm, an denen sich die Landschaft verändert, sobald man weiß, was man vor sich hat.
Darauf solltest du achten
- Die Verwerfung – wo das alte Grundgebirge auf die jüngeren Sandsteinschichten trifft.
- Die schräggestellten Sandsteinschichten – Spuren von Bewegungen in der Erdkruste.
- Strøby Sandstensbrud – hier kannst du die erhaltenen Rippelmarken im rund 530 Millionen Jahre alten Meeresboden sehen.
- Kyllingehønen und Hanen – große Findlinge, die vom Inlandeis zurückgelassen wurden.
- Skrébânan bei Hanen – die alte Rutschbahn auf dem Felsen.
Wenn du noch tiefer in die Klintebakken und Bornholms Naturgeschichte eintauchen möchtest, empfehlen wir dir wärmstens Finn Hansens umfangreichen Guide 367ture.dk – ein beeindruckendes Werk über Bornholms Natur, Geologie und Kulturgeschichte.


