Kultippen

Kultippen
Kultippen

Südlich von Hasle bildet Kultippen einen markanten Kontrast zur grünen Küstenlandschaft. Hier öffnet sich der Wald zu einem trockenen, beinahe wüstenartigen Gelände mit hellgrauen Hängen, rostfarbenen Flächen und tiefen Rinnen, die das Regenwasser in die lockeren Erdschichten gegraben hat. Die Vegetation ist spärlich, und die offene Landschaft reicht bis an die Ostsee. Der Ort wirkt wie ein ungewöhnliches Naturphänomen, doch Kultippen ist durch die Industriegeschichte Bornholms entstanden.

Während des Kohleabbaus bei Hasle in den 1940er-Jahren wurde die Kohle von großen Mengen Sand, Kies, Ton, Kohlenstaub und anderem Restmaterial getrennt. Das Material wurde in Kipploren geladen, zur Küste transportiert und über die Kante geschüttet. Schicht für Schicht entstand so die künstliche Landzunge, und der Name Kultippen verweist auf genau diese Art der Ablagerung. Eine Aufstellung von Kipploren erinnert heute an das Transportmittel, das damals bei den Arbeiten eingesetzt wurde.

Das besondere Erscheinungsbild ist nicht allein auf die großen Mengen ausgehobenen Materials zurückzuführen. Die Ablagerungen enthalten unter anderem das Mineral Pyrit, das auch als Schwefelkies oder Katzengold bekannt ist. Wenn Pyrit mit dem Sauerstoff der Luft und mit Regenwasser in Berührung kommt, oxidiert das Mineral, wobei Säure und Eisenverbindungen entstehen können. Dadurch bildet sich ein stark saures Milieu, in dem nur wenige Pflanzen Fuß fassen können. Zugleich tragen die Eisenverbindungen zu den rostrot, gelblich und braun gefärbten Bereichen bei, die an vielen Stellen im Gelände zu sehen sind.

Im Laufe der Zeit hat das Regenwasser Rinnen und Schluchten in die lockeren Ablagerungen geschnitten, und die Erosion verändert den Charakter der Landschaft bis heute. Kultippen ist daher nicht nur ein abgeschlossenes Industriedenkmal, sondern ein Ort, an dem von Menschen geschaffene Erdschichten durch natürliche Prozesse langsam weitergeformt werden.

Der Kontrast prägt das Erlebnis entscheidend. Auf der einen Seite liegt die grüne Vegetation des Hasle Lystskov, auf der anderen das offene Meer, und dazwischen breitet sich das nahezu vegetationslose Gelände aus. Von den unebenen Höhen reicht der Blick über die Ostsee, und am Abend öffnet sich der Ort zum Sonnenuntergang im Westen.

Kultippen ist sowohl ein markantes Zeugnis der Kohleindustrie Bornholms als auch ein Ort, an dem industrielle Ablagerungen, chemische Verwitterung und Erosion unmittelbar in der Landschaft erlebt werden können. Hier sind die Restmaterialien vergangener Zeiten zu einem der ungewöhnlichsten menschengeschaffenen Naturphänomene Bornholms geworden.

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